Neulich war ich im Jüdischen Museum in München in der Ausstellung "typisch! Klischees von Juden und Anderen". Für die Sozialwissenschaftlerin in mir ein wahnsinnig interessantes Thema. Die Ausstellung ist super.
Mein persönlicher Favorit unter den Ausstellungsstücken war ein Kasten voller Barbies, die mittels "landestypischer" Kleidung und Haartracht Klischees über Nationalitäten auf der ganzen Welt symbolisieren sollen. Die sind erstaunlich eindeutig. Ich hatte kaum Probleme, die schätzungsweise 30-40 Barbies der jeweiligen Nationalität zuzuordnen, die sie repräsentieren sollten.
Die Barbies haben für mich aber noch eine zweite Ebene. Sicher, die Outfits sind alle unterschiedlich und sollen signalisieren dass wir von den verschiedenen Nationalitäten dieser Welt ganz genaue, sehr begrenzte Vorstellungen haben. Doch das was unter den Zöpfen und Trachten steckt, bleibt bei jeder Barbie gleich. Ein überzeichneter Körper, der in sich selbst ein Klischee ist. Das westliche Schönheitsideal für Frauen, eine in Plastik gegossene Schablone, die in Zeitschriften, im Kino, im Fernsehen und auf Laufstegen zum Leben erwacht. Naomi Wolf spricht in "The Beauty Myth" von der "Iron Maiden", einem unerreichbaren, starren Idealbild von Schönheit, das Frauen dazu bringt, sich zu kasteien und wertvolle Energie auf ständige Beschäftigung mit ihrem Aussehen zu verschwenden. Und Barbie ist das Vehikel, das dieses unrealistische Schönheitsideal in die Kinderzimmer kleiner Mädchen bringt (deshalb ist Barbie Mist und gehört nicht ins Kinderzimmer, sondern in den Mixer).
In der Ausstellung fand ich deshalb an der Barbie-Sammlung den Effekt der verschiedenen klischeehaften Outfits der Barbies weniger beeindruckend als den ihrer komplett gleichen Körper.
Freitag, 18. Februar 2011
Die Barbie-Schablone
Eingestellt von Steffi um 22:19
Labels: Feminismus, Kuriositätenkabinett
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