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Montag, 5. Juli 2010

Wind- und wolkenumwehte Watzmannüberschreitung

Am vergangenen Wochenende war es endlich so weit: Ich bin die Watzmannüberschreitung gegangen. Die Tour war lang, anstrengend, abwechslungsreich und vor allem spektakulär. Mit dabei waren außer Iris, der Bergführerin aus meinem DAV-Kurs im Rofan, auch noch Conny und Bernhard. In dieser netten Gruppe hat die Tour noch mehr Spaß gemacht.
Die Watzmann-Tour hat für eine Bergtour etwas unkonventionell begonnen. Wir haben uns zuerst eine Schifffahrt über den Königssee nach St. Bartholomä gegönnt. Von dort aus sind wir über die Kuhröitalm zum Watzmannhaus aufgestiegen. Die Strecke bis zur Alm war wegen der Gluthitze vom Samstag eine echte Probe für die Kondition. Wir hatten (abgesehen von unserer Bergsteiger-Motivation) einen sehr starken Antrieb, es möglichst schnell aufs Watzmannhaus zu schaffen: Deutschland spielte in der WM in Südafrika gegen Argentinien um den Einzug ins Halbfinale und wir wollen wenigstens die zweite Halbzeit noch sehen. Dank der Jubelschreie, die uns beim Aufstieg zum Watzmannhaus von der Kuhroitalm erreichten (uns des hervorragenden Nachrichtendienstes per SMS) entging uns auch das frühe 1:0 für Deutschland nicht. Pünktlich zur zweiten Halbzeit kamen wir auf dem Watzmannhaus an und konnten so das Spiel zu Ende sehen und gemeinsam mit den anderen Bergsteigern und Wanderern den deutschen 4:0-Sieg bejubeln.

Nach einem schönen Hüttenabend, bei dem wir uns u.a. den Malefitz-Künsten von Pauli, dem 9-jährigen Sohn der Wirtsleute geschlagen geben mussten, gingen wir früh schlafen.

Am nächsten Morgen brachen wir sehr früh von der Hütte auf. Leider hatte sich das Wetter vom Vortag verschlechtert: Ein kühler Wind jagte Wolken über Horizont und Gipfel. Wir beschlossen, nicht gleich aufzugeben, sondern dem Watzmann-Grat Stück für Stück zu Leibe zu rücken und dabei das Wetter immer im Auge zu behalten.
Die erste Etappe war bald mit dem Hocheck-Gipfel geschafft. Zwar hatten wir bis dahin noch immer keinen Sonnenschein, aber das Wetter schien zu halten. Ich fand die Stimmung, die durch die dahinjagenden Wolken und den Wind entstand sehr beeindruckend. Immer wieder rissen die Wolken über-, unter und vor uns auf und gaben spektakuläre Blicke auf den Grat und weit ins Tal frei. Dann wieder standen wir tief in Wolken gehüllt und konnten nur Schemen der noch vor uns liegenden Gifel erkennen.
Nach einer weiteren halben Stunde hatten wir die Watzmann-Mittelspitze und damit den Hauptgipfel des Grates erreicht. Ich war sehr stolz auf meinen bisher höchsten Gipfel mit 2713 Metern.
Die weitere Gratüberschreitung zur Watzmannsüdspitze blieb genauso großartig wie der Beginn. Über der berühmten Watzmann-Ostwand, die 1800 Meter zum Königssee abfällt, dahin zu klettern ist schon ein besonderes Gefühl. Das mitgebrachte Klettersteigset war zwar an einigen besonders luftigen Stellen eine gute Versicherung, war aber nicht permanent notwendig.

Nach der Südspitze kam was kommen musste: Der lange Abstieg zur Wimbachbrücke. Insgesamt stiegen wir fast 2000 Höhenmeter durch Fels, Schrofen, Geröll, steile Rinnen und erodierte Hänge ab, bis wir endlich im Wimbachtal ankamen. Nach einer Stärkung bei der idyllisch gelegenen Wimbachhütte wanderten wir die letzten Kilometer durch das landschaftlich großartige Wimbachgrieß. Dabei gaben die Wolken immer wieder Blicke auf dem Watzmann frei und ich konnte es kaum glauben, einige Stunden vorher noch dort oben gestanden zu haben.