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Freitag, 3. Oktober 2008

Die Magisterarbeit – und warum schalten sie denn jetzt weg?

Zur Feier des Tages: Ein Rückblicksartikel.
Heute ist nämlich der dritte Oktober und das bedeutet, dass ich morgen vor genau einem Jahr meine Magisterarbeit abgegeben habe.

Die Frage nach dem Wegschalten wollte ich in meiner Magisterarbeit beantworten. Warum schalten Menschen aus Nachrichtensendungen weg? Oder mit den Begriffen, die die Fernsehforscherin interessieren: Was killt die Quoten von Nachrichten?

Der Weg zur Antwort auf diese Frage war ein langer und teilweise recht schwieriger. Wie es eben bei jeder Abschlussarbeit der Fall ist. Ich bin der Meinung: Wer es nicht selber einmal gemacht hat, der kann nicht nachvollziehen, was es bedeutet, DIE große Abschlussarbeit seines Studiums zu schreiben.
Man kennt monatelang nur ein Thema, sieht die Bibliothek mehr als das eigene Zuhause, wenn man schläft (und wenn man wach ist) schwirrt einem immer mehr oder weniger deutlich das Abgabedatum in großer roter Leuchtschrift vor Augen (man bekommt so eine gewisse Ähnlichkeit mit Frodo, als er schon sehr, sehr vom Ring besessen ist), lernt Word und seine idiotischen Autoformatierungs-Ticks noch mehr zu hassen, lebt tagelang ausschließlich von Schokoriegeln und doppelten Espressos aus dubiosen Mensa-Kaffeeautomaten, kennt die Signaturen bestimmter Bücher auswendig, benutzt Kalender nur noch zum Zählen und Ausstreichen von Tagen und hat nicht mal mehr Lust, müde zu lachen, wenn jemand Begriffe wie „Ausgehen“, „Wochenende“ oder „Urlaub“ verwendet. Ich sage nur so viel: Im besten Fall ist es die Hölle. Im schlimmsten auch. Dabei ist dieser Zustand gar nicht vom Erfolg oder Ergebnis der Arbeit abhängig, sondern sehr wahrscheinlich universell bei AbschlussarbeitautorInnen beobachtbar.

So auch bei mir. In den letzten Wochen meiner Magisterarbeit sah es etwa so aus: Abgabedatum: 4. Oktober 2007. Seitenzahlen bis dahin: Noch nicht genug. In den letzten Wochen lief ich – dank ausgezeichneter Datenlage, der besten Unterstützung und Anfeuerung, die ich mir hätte wünschen können und einem notorisch guten Wirkungsgrad (maximale Leistung bei minimalem (Zeit)aufwand) – zur Höchstform auf.
Am Schluss standen 113 Seiten Magisterarbeit. Der Moment, an den ich mich am besten erinnern kann, war der allerletzte: Es war Sonntag Abend, ich hatte noch drei Tage Zeit und fing an, das letzte ausstehende Kapitel meiner Arbeit zu schreiben: Die Diskussion der Ergebnisse. Und ich schrieb und schrieb und schrieb… Bis vier Uhr morgens. Dann, der letzte Punkt hinter meinem letzten Satz. Ich glaube, auch das Gefühl, es endlich, endlich geschafft zu haben, können nur diejenigen nachvollziehen, die es tatsächlich selber mal geschafft haben. Danach: Euphorisierte Anrufe bei meinen Lieben. Und dann merken, dass ich einfach zu aufgedreht war zum schlafen. In der Wohnung rumtigern. DVD einlegen. Bis sechs Uhr morgens "Pirates oft he Carribean" schauen. Total erschossen ins Bett fallen und endlich, endlich ohne das eklige, permanente schlechte Gewissen, das einen während einer solchen Arbeit ständig begleitet, einschlafen.
Am vierten Oktober ging es dann in die Druckerei und am Abgabetag ins Prüfungsamt, wo ich mein Werk loswerden konnte. In dem Moment, als ich abgegeben hatte, war ich schon wieder zum Zerreißen gespannt auf die Note. Die ließ noch ein wenig auf sich warten. Es hat sich aber gelohnt, das Warten. Und der ganze Rest auch.