Nun steht es also fest: Nikolaus Brender muss gehen. Für ihn kommt Peter Frey, der sich nun Chefredeakteur des ZDF nennen darf, von Roland Kochs Gnaden, versteht sich. Erschreckend, wie das ZDF Spielball seines eigenen Verwaltungsrates wird. Adenauers ursprünglicher Plan für das ZDF, es als ein vom Bund kontrolliertes "Deutschland-Fernsehen" aufzubauen klingt an.
sueddeutsche.de kommentiert die Mainzer Zustände hervorrangend:
"Und die brutalstmögliche Entmachtung des Chefredakteurs durch den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der im Verwaltungsrat große Reden schwingt, zeigt, wie ungeniert im Konfliktfall eine Partei einen TV-Sender als Beute betrachtet.Mit der verfassungsrechtlich vorgeschriebenen Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat dies nichts zu tun. Offenbar sehen einzelne Politiker einen Sender gerne als Selbstbedienungsladen."
Samstag, 28. November 2009
Staatsfernsehen?
Eingestellt von Steffi um 09:40 0 Kommentare
Labels: Mediawatch, Politisches Ressort
Donnerstag, 26. November 2009
Sehr Unförmige Verkehrsteilnehmer
Kürzlich auf Straßen: Ich verrenke mir fast den Hals, um über das Fahrzeug vor mir zu schauen. Es ist mal wieder Baustelle angesagt, was gleichbedeutend ist mit der völligen Aufhebung aller bisher bekannten Straßen- und Spurführungen. Da wäre es schon wichtig, Schilder oder wenigstens den Verkehr vor mir erkennen zu können um halbwegs angemessen den gewünschten Weg zu finden. Ist aber unmöglich, denn den Blick auf alles was vor mir passiert ist versperrt. Klar, der Übeltäter ist wahrscheinlich ein LKW, werden Sie jetzt denken. Nein, kein LKW und nein, auch kein Bus. Vor mir fährt vielmehr eines von jenen schrecklich hässlichen Monstrümern, die sich seit geraumer Zeit auf den Straßen ausbreiten: Ein SUV.
Als die Dinger aufkamen, dachte ich mir immer, dass der/die FahrerIn wohl aus einer Gegend komme wo er/sie mit unfassbar unwegsamem Gelände zu kämpfen habe oder aber häufiger in irgendwelcher Wildnis zu Gange sei, wo große, starke, aggressive Dinosaurier ihn/sie jederzeit rammen könnten.
Jetzt weiß ich: Menschen, die einen SUV fahren kämpfen nicht mit unwegsamem Gelände oder angriffslustigen Raptoren. Sie kämpfen mit ganz anderen Dingen. Denn wenn sich bei diversen Klischeekarren schon die Frage aufdrängt, was damit wohl kompensiert werden soll, welche Rückschlüsse drängen sich bei einem SUV auf?
Was sonst kann auch der Nutzen einer Kreuzung aus Auto, Panzer und Wohnmobil sein? Ein Fahrzeug, für das grundsätzlich gilt: Zuviel Auto für zu wenig Straße? Das in keinen Stadtparkplatz dieser Welt passt? Das, wenn man einmal aufs Gas tritt, den halben Tank leer sauft? Dessen Stoßstange so so unglaublich treffsicher auf Kinderkopfhöhe sitzt? Und das so augenfällig, so unübersehbar, so schreiend häßlich ist?
Wenn schon nicht für die Besitzer, so können SUVs für die anderen Verkehrsteilnehmer tatsächlich einen zusätzlichen Nutzen haben. Ein lustiges Spiel, mit dem sich Wartezeiten in Rush-Hour-Staus prima verkürzen lassen, ist, sich auszudenken, "SUV" sei nicht etwa nur ein Akronym für "Sport Utility Vehicle", sondern z.B. für: "Super Umweltfeindlicher Vorfahrträuber" oder "Seine Unübersehbare Verunsicherung" oder "Scheußlich unpraktischer Vogelkackefänger" oder "Scheiße, Urlaubsgeld Vertankt" oder "Sicherer Unfalltod Verursacher" oder "Schrecklich Unästhestische Vorderansicht" oder "Sicht auf die Umgebung Verbaut"... der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Eingestellt von Steffi um 20:10 0 Kommentare
Montag, 23. November 2009
Gipfelstürmerinnen-Lesefreude
Als spätes Geburtstagsgeschenk ist heute ein Buch bei mir angekommen, auf das ich schon sehr gespannt bin: Gerlinde Kaltenbrunners "Ganz bei mir". Die Profi-Bergsteigerin berichtet in dem Buch von ihrer Leidenschaft für die Achttausender.
Die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner zählt zu den drei derzeit erfolgreichsten Höhenbergsteigerinnen. Im Mai 2009 bestieg sie mit dem Lhotse ihren zwölften Achttausender und ist auf dem besten Weg, die erste Frau zu werden, die alle 14 Achttausender geschafft hat. Sie ist "fair" auf den höchsten Gipfeln der Welt unterwegs - ohne künstlichen Sauerstoff und ohne Träger. Zum Weltrekord fehlen Kaltenbrunner noch der K2 und der Mount Everest.
Parallel mit Kaltenbrunner sind noch drei weitere Frauen zum Weltrekord unterwegs: Die Spanierin Edurne Pasaban und die Italienerin Nives Meroi haben bis dato zwölf bzw. elf der 14 Achttausender erreicht. Die Koreanerin Oh Eun-Sun hat bereits 13 der 14 höchsten Gipfel bestiegen. Es bleibt spannend auf den Dächern der Welt. Kaltenbrunner sieht den scheinbaren Wettlauf ganz gelassen:
"Es gebe für sie keinen Wettkampf um das Ziel, als erste Frau alle 14 Achttausender zu erreichen, betonte Kaltenbrunner erneut: "Dieser Wettkampf existiert nicht. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich parallel mit Edurne oder Nives am Berg unterwegs bin. "(...) Ich gehe meiner Leidenschaft nach", sagte Kaltenbrunner über ihre Motivation, die höchsten Berge der Welt zu besteigen." (Zitat via dieStandard.at)
Alle Achtung für diese Haltung. Ich drücke - ganz mitfiebernder Fan - Gerlinde Kaltenbrunner trotzdem die Daumen, dass sie bald die Gelegenheit bekommt, den K2 und den Everest zu besteigen.
Eingestellt von Steffi um 22:37 0 Kommentare
Freitag, 20. November 2009
Wir haben eine EU-Außenministerin
Catherine Ashton, die bisherige EU-Handelskommissarin, ist die neue EU-Außenministerin, oder, wie das Amt korrekt heißt: Die neue Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik.
Der Aufstieg der bisherigen Handelskommissarin in das Amt der EU-Außenministerin ist ein Erfolg für mehrere Seiten. Erstens für Ashton selbst, die mit 53 Jahren nun einen der beiden Spitzenjobs in der EU bekleidet. Zweitens für die sozialdemokratischen Regierungen Europas, die sich auf Ashton einigen konnten. Und drittens für die weiblichen Abgeordneten des EU-Parlaments. Diese haben völlig zu Recht protestiert, als im Vorfeld des EU-Gipfels, bei dem über die Besetzung der insgesamt 27 Spitzenämter (25 Kommissariate, die Ratspäsidentschaft und das EU-Außenministerium) entschieden werden sollte, nur drei Frauen als Kandidatinnen in s Feld geführt wurden. Die Süddeutsche schreibt über die Argumente der EU-Parlamentarierinnen:
"53 Prozent der Europäer seien weiblich, das müsse sich in der Führungsriege widerspiegeln. Mindestens ein Drittel der neuen Kommissionsposten und einer der beiden EU-Spitzenjobs müssten weiblich besetzt werden."
Gerade für die beiden Spitzenämter waren bis vor Kurzem nur männliche Kandidaten vorgeschlagen worden, womit die EU nach außen hin ein rein männliches Gesicht bekommen hätte. Die EU-Parlamentarierinnen übten Druck aus, drohen, bei den Verhandlungen und der Wahl der neuen Kommission gegen die vorgeschlagenen Kandidaten zu stimmen. Die Ernennung von Catherine Ashton ist ein wichtiger Schritt in die von den EU-Parlamentarierinnen angestrebte Richtung einer geschlechtergerechten Besetzung der europäischen Ämter.
Damit lautet für die nächsten Jahre die Antwort auf Henry Kissingers berühmte Frage "Who do I call if I want to call Europe?" das erste Mal: "A woman".
Eingestellt von Steffi um 17:00 0 Kommentare
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Sonntag, 8. November 2009
Keine Spiegelei mehr
Das Internet hat den Vorteil, dass die Zahl der Angebote nahezu unbegrenzt ist. Wenn man also etwas bestimmtes will, dann ist man im Internet ganz uns gar nicht festgelegt, sondern hat die freie Auswahl. Ich will vom Internet des öfteren aktuellste Information über verschiedenste Themen. Bisher habe ich mir diese hauptsächlich von Spiegel Online geholt. Seit geraumer Zeit, immer wieder und kürzlich besonders ärgere ich mich aber über den selbstgefälligen Chauvi-Anstrich, den Spiegel Online mit sich herumträgt. Gerade bei den Themen, die mich sehr interessieren sinkt Spiegel Online des öfteren in Gefilde ab, die Frank Schirrmacher alle Ehre machen würden.
Deshalb treffe ich hiermit eine Wahl: Ich habe mich oft und ausreichend über Spiegel Online geärgert. Ich habe keine Zeit, reaktionären Mist zwischen scheinbar objektiven Zeilen rauszulesen. Hätte ich ein Abo, würde ich dieses jetzt kündigen. Ab sofort verbanne ich Spiegel Online aus der Sidebar diese Blogs, aus meinen Favoriten, von meiner Firefox-Startseite, aus meiner privaten Liste für Info-Recherchen, von meinem IGoogle und auch sonst von meinem Radar. Ich will objektive, ausgewogene Information und Journalismus, der, wenn er Meinungen äußert, auch dazu steht.
Eingestellt von Steffi um 16:23 0 Kommentare
Labels: Mediawatch
Freitag, 6. November 2009
Schwangerschaft und Beruf im "Spiegel"
Manchmal gibt es kleine Meldungen in der Presse, die man kurz überfliegt und dann wieder vergisst, weil sie scheinbar nichts von Belang enthalten. So ging es mir zunächst auch mit diesem Artikel von Spiegel Online. Die Meldung ist nachrichtenmäßig echt schon ein alter Hut - sie ging Mitte Oktober durch die Presse - aber sie ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein Artikel mit wenig eigentlichem Informationsgehalt zwischen den Zeilen sehr bedeutungsschwer sein kann.
Zunächst die Überschrift: "Caren Miosga ist schwanger". Aha, schön für sie, denkt man sich und scrollt weiter zur nächsten Überschrift.
Ich habe dann doch auf die Überschrift geklickt und den Artikel gelesen - und konnte zunehmendes Kopfschütteln und aufkeimenden Ärger nicht unterdrücken. Spiegel Online erblödet sich tatsächlich nicht, in Artikel und zugehöriger Bildstrecke ganze dreimal auf das Timing von Miosgas Schwangerschaft hinzuweisen:
"Die 40-Jährige informierte ihre Kollegen darüber, dass sie schwanger sei. Erst Mitte September hatten die ARD-Intendanten ihren Vertrag um weitere drei Jahre verlängert."
"Mitte September hatten die ARD-Intendanten Miosgas Vertrag für die "Tagesthemen" um weitere drei Jahre verlängert. Die 40-Jährige moderiert die tägliche Nachrichtensendung im wöchentlichen Wechsel mit Tom Buhrow, 51. Die Moderatorin habe angekündigt, möglichst schnell nach der Geburt wieder zu arbeiten. Wer sie in dieser Zeit vertreten wird, steht noch nicht fest."
"Mitte September 2009 haben die ARD-Intendanten Miosgas Vertrag für die "Tagesthemen" um weitere drei Jahre verlängert. Jetzt, Mitte Oktober, wurde bekannt, dass sie schwanger ist."
Die letzten Absätze des Artikels geraten zu einem Lamenti über eine bei der ARD grassierende Schwangerschaftswelle, von der Spiegel-Panorama-Redaktion sogleich ganz Bild-der-Frau-like mit "Babyglück" betitelt:
"Zweifaches Baby-Glück - aber nicht auf einmal - stellte sich auch bei der "Tagesschau"- Sprecherin Caroline Hamann ein. Die 37-Jährige bekam im Juli dieses Jahres ihr zweites Kind, ein Mädchen. Sie wechselte Anfang 2007 von den ZDF-"heute"-Nachrichten zur ARD. Im Januar 2008 brachte sie ihre erste Tochter zur Welt. In der Babypause wurde sie erneut schwanger."
"Ihre "Tagesschau"-Kollegin Laura Dünnwald brachte ebenfalls im Januar 2008 ihr erstes Kind zur Welt, einen Jungen. Wann sie zur Redaktion "ARD-aktuell" zurückkehrt, steht laut NDR noch nicht fest."
Nur gut, dass "Spiegel Online" über die Fortpflanzungsaktivitäten der ARD-Redaktionen so gut Buch führt.
In meiner Vorstellung formte sich eine Diskussion zum Thema in der Spiegel-Online-Redaktion: "Sowas. Mann, diese berufstätigen Frauen aber auch. Verlängern ihren Vertrag und werden anschließend - jetzt, Mitte Oktober - schwanger. Was fällt denen ein. Und die armen Intendanten müssen sich dann wieder Gedanken drum machen, wo sie nun eine Vertretung aus dem Hut zaubern. Monatelang fallen diese Schwangeren dann aus. Mo-na-te-lang. Schlimm. Da muss man doch mal was drüber bringen. Natürlich nicht explizit, das geht ja nicht (Danke, Alice Schwarzer). Aber irgendwie bringen wir das schon unter."
Caren Miosga und ihren Kolleginnen hintenrum ihre privaten Entscheidungen zu Familie und Beruf vorzuwerfen ist scheiße und gutem Journalismus nicht würdig. Das lässt euch schwach aussehen, liebe "Spiegel Online"-Redaktion. So als schämtet ihr euch Eurer Meinung, wolltet sie aber nicht ändern. Zwischen den Zeilen rumeiern ist keine Lösung, sondern feige und lächerlich. Wenn es eine Meinung zu einem Thema gibt, dann immer raus damit. Kritisiert - und stellt euch dann euren KritikerInnen.
Eingestellt von Steffi um 12:09 0 Kommentare
Labels: Feminismus, Kuriositätenkabinett, Mediawatch
Sonntag, 25. Oktober 2009
Wunderbar
...ist dieses Video. Einfach zurücklehnen und genießen.
Eingestellt von Steffi um 19:00 0 Kommentare
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Samstag, 24. Oktober 2009
Die Päpstin
Gestern war ich mal wieder im Kino. Ich habe mir "Die Päpstin" angeschaut.
Der Film erzählt die Geschichte von Johanna, die im 9. Jahrhundert von der tiefsten deutschen Provinz bis nach Rom kommt und dort zum Papst aufsteigt. Die Story des Films ist gut und verfolgt ruhig und engagiert die Lebensgeschichte einer Frau, die Lernen, Wissen und etwas in der Welt bewegen wollte, dies aber nur tun konnte, indem sie als Mann lebte.
Frauen durften im Mittelalter weder Lesen und Schreiben lernen, noch studieren oder gar eine klerikale Karriere anstreben. Davon, Papst zu werden, ganz zu schweigen (wobei sich die katholische Kirche in diesem letzten Punkt natürlich keinen Deut von den mittelalterlichen Zuständen weiterbewegt hat. Aber ich schweife ab).
Johanna geht in "Die Päpstin" unbeirrbar ihren Weg, setzt sich gegen Dünkel, Vorurteile, Angriffe, Entbehrungen und Gefahren durch und schafft es durch ihre Intelligenz und ihren Mut bis in die obersten Zirkel Roms und schließlich auf den Papstthron. Sie ist eine Heldin, wie es sie in Filmen und Geschichten öfter geben sollte und wird von Johanna Wokalek großartig gespielt.
Der Film ist durchaus lang und es bedarf einiger Kondition, seine 148 Minuten zu verfolgen. Auch ist er definitv kein locker-leichtes Popcorn-Kino, sondern regt zum Nachdenken an und schockiert an einigen Stellen durch sehr grafische Darstellungen des mittelalterlichen Lebens. Das alles tut dem Unterhaltungswert des Film aber keinen Abbruch. "Die Päpstin" kann sicherlich nicht als verlässliche Historienquelle dienen und erhebt darauf auch keinen Abspruch. Der Film ist vor allem eines: Eine gute Geschichte mit einer faszinierenden Heldin. Ich wünsche mir mehr solcher Frauen(-figuren), die sich von ihren Lebensträumen, ihrem Ehrgeiz und ihrem Verstand leiten lassen und sich dabei keine Gedanken darum machen, ob ihre Frisur auch sitzt (im Falle der "Päpstin" ist das sehr wörtlich zu nehmen).
Durch mein Interesse für den Film habe ich etliche Kritiken gelesen. Wie immer war das ganze Spektrum vertreten: The Good, the Bad and the Ugly... not to mention the ridiculous. Letzteres hat RTL.de fabriziert, das sich über "Pseudofeminismus in Überlänge" mokierte. Hier ein kleiner Screenshot, der dokumentiert, womit die Filmkritiker von RTL zu kämpfen hatten:
Ich zitiere: "Für die zahlreichen Leser des gleichnamigen Bestsellers und für Kirchenkritiker ist ’Die Päpstin’ sicher interessant. Fans historischer Schlachtplatten könnten sich hingegen schnell an der schweren Kost verschlucken, denn Liebesszenen oder effektvolle Actionsequenzen sind in dem zweieinhalbstündigen Streifen eher die Seltenheit. Stattdessen gibt es die stumpf chronologisch erzählte Geschichte der Johanna und ihren Kampf in einer Männerwelt, in der die Frau nur zum Kinderkriegen taugt – mit mehr Dialogtext, als man sich wünscht."
Soso, schwere Kost also. "Pseudofeminismus". Was ist denn dann bitte echter Feminismus, wenn nicht Frauen, die gegen Verbote und Beschränkungen aufbegehren und für ihre Rechte kämpfen? Dann auch noch zu wenige Liebes- und Actionszenen. Man hat es schon schwer mit diesen ambitionierten Filmemachern. Und - das ist meine persönliche Lieblingsstelle - zuviel Dialogtext. Tja, liebe RTL-Filmfuzzis, manche Themen brauchen nun mal etwas mehr Text und verlangen ein paar mehr graue Zellen als, sagen wir, die intellektuellen Ergüsse der RTL-Aushängeschilder Bohlen und Barth.
Eingestellt von Steffi um 18:00 0 Kommentare
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Pro Choice!
Ich komme gerade vom Georg-Freundorfer-Platz (direkt vor meiner Haustür). Dort findet in diesen Minuten der Auftakt zur Demo unter dem Motto "My Body my Choice" statt, die sich gegen die sogenannten "Lebensschützer" und gegen deren fundamentalistische Propaganda gegen das Recht auf Abtreibung richtet.
Kurz zum Hintergrund: Im Münchner Westend liegt eine Klinik, in der Frauen Schwangerschaftsabbrüche vornehmen lassen können. Die "Lebensschützer" postieren sich regelmäßig auf dem Gehsteig vor dem Gebäude und greifen Frauen an, belästigen sie und beschimpfen sie. Die "Lebensschützer" sind zum Großteil religiöse Fundamentalisten, die ihren Kollegen aus den USA um nichts nachstehen. Diese Gruppierung veranstaltet heute einen "1000 Kreuze Marsch" durch München, bei dem sie der Ungeborenen "gedenken" wollen, die abgetrieben wurden. Dahinter steht die Forderung eines bedingungslosen Abtreibungsverbots. Mehr zum Thema hier bei der Mädchenmannschaft, außerdem hier.
Besonders bemerkenswert: Nazis wollen, wie schon im vergangenen Jahr mit den "1000 Kreuzen" marschieren. Einen Kommentar hierzu liefert das Antisexistische Aktionsbündnis München:
"Schon im Vorfeld des „Trauermarsches“ in München hatten „Freie Nationalisten München“ ihre Teilnahme angekündigt. Die Veranstalter (EuroProLife) wiesen zwar darauf hin, dass der Marsch als „Gebetsprozession“ zu betrachten sei, fühlen sich aber ansonsten zu keiner Distanzierung von den Nazis veranlasst und freuten sich offensichtlich auch über die rund 60 Nazis, die damit rund ein Viertel der TeilnehmerInnen stellten. Auch bekannte NPD-Mitglieder waren bei dem von den Nazis formierten Block dabei."
Aufgrund der Beteiligung der Nazis distanzierte sich sogar das katholische Erzbistum München Freising vom "1000-Kreuze-Marsch". Wobei bemerkt sein will, dass dies eine Distanzierung von den Nazis ist, nicht aber von der fundamentalistischen Gruppe der "Lebensschützer", denn:
"Das grundsätzliche Anliegen der Aktion Euro Pro Life, nämlich den Schutz des ungeborenen Lebens, teilen wir als gläubige Katholiken selbstverständlich".
Auf dem Freundorfer Platz sind mir vorhin zwei Dinge aufgefallen: Erstens war die Gegendemo zwar laut und bunt, aber friedlich. Wortbeiträge und aussagekräftige Plakate, dei das Recht über den eigenen Körper zu bestimmen, verteidigten, gaben den Ton an. Die Demonstranten waren ein kleiner, recht bunter Haufen vorwiegend junger, sichtlich links eingestellter Leute, die für ihre Überzeugungen eintreten wollen und dabei keineswegs so aussahen, als würden sie im nächsten Moment anfangen, mit Pflastersteinen zu werfen.
Zweitens war trotzdem ein nicht unerhebliches Aufgebot an Polizei anwesend, meiner Meinung nach gut übers Ziel hinausgeschossen hat. So in Richtung ein Polizist pro Demonstrant. Die Demo war (leider) nicht sonderlich groß. Es hatten sich schätzungsweise (und ich bin nicht sehr gut darin, die Größe von Versammlungen zu schätzen) 100 Leute versammelt, um gegen die "Lebensschützer" zu demonstrieren. Auf den Straßen um den Freundorfer Platz fuhr unterdessen ein Polizeiauto nach dem anderen vorbei und sogar schwerer bewaffnete Polizisten waren zu sehen. Ich frage mich echt manchmal, ob die bayerische Polizei da nicht ein bissl übertreibt. Ob die "Lebensschützer" wohl genau so viel Grün gesehen haben?
Ich finde die Gegendemo und die ganze "Pro Choice"-Bewegung richtig und wichtig und applaudiere den OrganisatorInnen auf diesem Weg.
Eingestellt von Steffi um 13:17 2 Kommentare
Labels: Feminismus, Politisches Ressort
Montag, 19. Oktober 2009
Billige Managergehälter
Natürlich nicht (ihr könnt wieder ausatmen, liebe FDP-Wähler). Richtig müsste es heißen: Billige Managerinnengehälter.
Denn wie das manager-magazin in einer aktuellen Studie herausgefunden hat, verdienen auch Frauen, die die Glass Ceiling bereits in Richtung Führungsebene durchbrochen und damit das geschafft haben, was den meisten ihrer Geschlechtsgenossinen verwehrt bleibt, weniger als ihre männlichen Kollegen. Managerinnen verdienen weniger als Manager. Und zwar im Durchschnitt satte 28 Prozent.
Und dabei können sich alle Zweifler an der Geschlechterungerechigkeit sich ihre gut einstudierten Lieblingsargumente mal schön in die Haare schmieren ("Frauen studieren das falsche", "Als Friseurin verdient man halt weniger als ein Elektromechaniker", "Frauen werden ja irgendwann schwanger und sind deshalb nicht so berufsorientiert", "Frauen bekleiden niedrigere Positionen", etc.), denn: Erstens sind diesmal beide Geschlechter Chefs, deshalb ist der Einflussfaktor der erreichten Hierarchieebene ausgeschaltet. Und zweitens: Nicht nur über alle Branchen hinweg verdienen weibliche Führungskräfte weniger als männliche. Die Managerin im EDV-Bereich verdient immer noch 14 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
14 Prozent weniger. Für ein und dieselbe Arbeit.
Wie ungerecht und absurd das Ganze ist, gibt es hier nochmal in einem großartigen Film zu bewundern:
Eingestellt von Steffi um 19:00 0 Kommentare
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Dienstag, 13. Oktober 2009
"Sell the Vatican, Feed the World"
Sarah Silverman. Witzig. Genial. Politisch inkorrekt. Wie immer halt.
Diemal erklärt sie mit bestechender Logik, wie man das Welt-Hunger-Problem lösen könnte: Man verkaufe den Vatikan ("What is the vatican worth? Like 500 Billion dollars?") und investiere den Erlös in die Bekämpfung des Hungers in der Welt.
Hauptsache, wir haben einen Plan.
Eingestellt von Steffi um 18:45 0 Kommentare
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Montag, 12. Oktober 2009
Nobelpreise 2009
Die Nobelpreise 2009 sind vergeben. Und nachdem heute der Wirtschaftsnobelpreis erstmalig (!) - verliehen wird der Preis immerhin seit 1969 - auch mit an eine Frau ging, ist die Statistikerin in mir aufgewacht und hat erfreuliches festgestellt:
2009 ist das bisher frauen-stärkste Jahr in der Geschichte des Nobel-Preises. Dieses Jahr bekamen insgesamt 5 Frauen und 8 Männer einen Nobelpreis.
In der gesamten Nobel-Geschichte liegt der Anteil an Nobelpreisen, die an Frauen verliehen wurden bei 5,1% (nur Preise, die an Personen vergeben wurden, die Friedenspreise, die an Organisationen gingen, ausgenommen). Dabei ist der Frauen-Anteil in den Kategorien Literatur und Frieden zwar höher als in den anderen Kategorien, aber immer noch unverständlich gering. In Physik, Chemie und Wirtschaft wurden insgesamt erst 7 Preise an Frauen vergeben - davon zwei an Marie Curie: 1903 für Physik, 1911 für Chemie.
Marie Curie hat sicher eine besondere Stellung innerhalb der weiblichen Nobelpreis-Geschichte inne: Sie ist einer von zwei Menschen, die auf zwei unterschiedlichen Gebieten einen Nobelpreis erhalten haben. Damit jedoch nicht genug: Sie ist auch Mutter einer weiteren Nobelpreisträgerin, nämlich von Irène Joliot-Curie (Nobelpreis für Chemie, 1935).
Dass Forscherinnen bisher im Rahmen des Nobelpreises so wenig Beachtung erfahren haben, liegt sicher mit daran, dass bisher vor allem Forschergenerationen zu Ehren kamen, in denen der Frauenanteil insgesamt sehr gering war. Trotzdem wurden wurden Frauen in der Vergangenheit insgesamt zu wenig für ihre forscherische Arbeit geehrt. Außerdem wurden sie bisweilen trotz großer wissenschaftlicher Leistungen zu Gunsten von männlichen Kollegen übergangen und marginalisiert, wie die Beispiele von Lise Meitner und Rosalind Franklin zeigen.
Aber die Frauen holen auf, wie das Nobel-Jahr 2009 zeigt.
Die Frauen, die 2009 mit dem Nobelpreis geehrt wurden, sind:
Ada E. Yonath (Chemie)
Elisabeth H. Blackburn (Medizin)
Carol W. Greider (Medizin)
Herta Müller (Literatur)
Elinor Ostrom (Wirtschaft).
Eingestellt von Steffi um 18:30 0 Kommentare
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Montag, 5. Oktober 2009
Echt schön
Die Brigitte hat sich entschlossen, für die Modestrecken in ihrer Zeitschrift keine Models mehr einzusetzen. Die Mode wird künftig von Frauen präsentiert, die nicht Model von Beruf sind (ich finde die Phrase "ganz normale Frauen" immer ein bissl komisch).
Die Brigitte begründet ihre Entscheidung:
"Weil Frauen keine Stellvertreter brauchen. Sie lassen sich nichts mehr vorschreiben. Weil Kleidung heute keine Frage von Trends, sondern von Persönlichkeit ist. Weil neue Looks nicht nur auf dem Laufsteg entstehen, sondern auf den Straßen, in der Schule, auf Konzertbühnen, im Kino, im Café um die Ecke. Weil wir Mode und Beauty in Zukunft an Frauen zeigen wollen, die nicht den oft perversen Gesetzen des Modelgeschäfts unterworfen sind, sondern mitten im Leben stehen."Ich finde das hervorragend. Ich kann der Brigitte nur beipflichten, dass es einfach nicht notwendig ist, Mode und Kosmetik an bulimischen Bohnenstangen zu präsentieren. Es gibt so viele schöne Frauen. Die wenigsten von ihnen tragen Größe 32.
Die Idee, Produkte mit "normalen Frauen" (da, ich habs also doch geschrieben) zu bewerben, ist nicht neu. Das bisher prominenteste Beispiel war die Marke "Dove", die mit ihrer "Initiative für wahre Schönheit" äußerst effizient Aufmerksamkeit und Sympathie auf sich lenkte. Eigentlich doch ganz lobenswert, oder? "Dove" findet offensichtlich Frauen toll und ist dagegen, dass sie auf sexistische und diskriminierende Weise von der Werbung ausgebeutet werden. Das Problem dabei: Der Konzern, dem "Dove" gehört, nämlich Unilever, ist da allenfalls geteilter Meinung. Unilever gehört nämlich auch AXE. Und AXE steht für vieles, aber nicht für ein respektvolles Frauenbild. Die Mädchenmannschaft hat das hier sehr treffend kommentiert. Besonders sehenswert ist der wunderbar entlavende Clip über Unilevers Doppelmoral.
(Wenn man den Unilever-Originalspot sehen will, der komischerweise aus dem kritischen Post der Mädchenmannschaft verschwunden ist, muss einfach auf Youtube gehen und sich dort davon überzeugen, wie der Konzern seine eigenen Werbebilder anprangert).
Umso wichtiger ist angesichts solcher Beispiele, dass die Brigitte ihr Vorhaben umsetzt und auch ehrlich durchhält.
Eingestellt von Steffi um 20:16 1 Kommentare
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Mittwoch, 30. September 2009
Ser häs bien so matsch deinämik
...wer sagt denn sowas? Klingt irgendwie verdächtig nach "Zenk ju vor träwelling wis Deutsch Bahn".
Aber dieses Juwel englischer Sprachbeherrschung stammt nicht etwa von einem genervten ICE-Kapitän, dessen primäre Aufgabe es eigentlich nicht ist, mit Menschen aus nicht-deutschsprachigen Ländern zu kommunizieren. Nein, es stammt von unserem zukünftigen Außenminister Guido Westerwelle. Nochmal zum ganz-genau-hinhören-und-kopfschütteln:
Da wird diese bizarre Reaktion auf die Frage eines britischen BBC-Reporters doch fast wieder nachvollziehbar:
Vor meinem geistigen Auge sehe ich gerade, wie Hillary Clinton gepflegt die Gesichtszüge entgleisen, weil sie ihren neuen deutschen Amtskollegen das erste Mal Englisch sprechen hört.
Ich fordere hiermit einen obligatorischen TOEFL-Test für Außenminister-Aspiraten einzuführen. Wis speschial ettentschen on se pronaunsiäschön, plies!
Eingestellt von Steffi um 20:51 0 Kommentare
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Sonntag, 27. September 2009
Blöder schwarz-gelber Mist
Jetzt ist es also entschieden: Die nächsten vier Jahre wird Deutschland von einer schwarz-gelben Koalition regiert.
Meine Hoffnung bleibt, dass die Union sich von der FDP nicht ganz in den marktliberalen Sumpf ziehen lässt und sich auf das Soziale in der "Sozialen Marktwirtschaft" besinnt. Außerdem hoffe ich auf eine kreative Neuausrichtung der SPD und eine starke, konstruktive linke Opposition mit einer Linken, die vielleicht in vier Jahren kolitionsfähig geworden ist.
Und ich bin wirklich, ehrlich gespannt, ob allein Wachstum tatsächlich Arbeit schafft und wenn ja wieviel davon und für wen.
Für die unmittelbare Zukunft (aka die nächste halbe Stunde) weiß ich allerdings echt nicht, ob mir angesichts der Perspektive des unsäglichen Guido Westerwelle in der Rolle als Außenminister in spe die gelbe Paprikasuppe, die gerade auf meinem Herd köchelt in der Rolle als mein Abendessen in spe noch schmecken kann.
Eingestellt von Steffi um 19:03 0 Kommentare
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Mittwoch, 23. September 2009
Lüg-O-Mat
Ein paar findige Jusos haben bei der allseits beliebten politischen Einstufungs- und Entscheidungshilfe Wahl-O-Mat eine dicke Lügerei der CDU aufgedeckt: Die Union bezeichnet sich bei der These "Das Erststudium soll gebührenfrei sein" als "neutral".
Richtig gelesen: Dieselbe Union, die gegen das Hochschulrahmengesetz klagte und in den von ihr geführten Bundesländern Studiengebühren einführte.
Die Union ist alles andere als "neutral", was Studiengebühren angeht. Die Union ist für Studiengebühren.
Studiengebühren bedeuten, dass nicht alle Menschen die gleichen Chancen auf Bildung haben. Studiengebühren bedeuten, dass weiterhin die Brieftasche der Eltern über die Ausbildung der Kinder entscheidet. Studiengebühren bedeuten, dass talentierte junge Leute, die zu den ach so dringen gesuchten IngeneurInnen, ForscherInnen, DenkerInnen der Zukunft werden könnten, nie eine Uni von innen sehen, weil sie sich (entgegen der infamen Aussage von Herrn Goppel) 500 Euro pro Semester eben nicht einfach mal so zusammensparen können.
Aber wenn die Union in dem Fall beim Wahl-O-Mat Taten und nicht die zurechtgezimmerten Worte sprechen ließe, könnte es ja passieren, dass wertvolle Jungwähler abgeschreckt würden.Und dass will man sich im Wahlkampf ja nicht leisten. Da heiligt der Zweck anscheinend jedes Mittel.
Bleibt zu hoffen, dass die Jungwähler weiterhin lustig ihre Wahl-O-Mat-Ergebnisse auf Facebook vergleichen, beim realen Gang zur Wahlurne aber dann selber denken. Wenn die Union sich da mal nicht um 500 Euro verrechnet hat.
Eingestellt von Steffi um 23:45 0 Kommentare
Labels: Kuriositätenkabinett, Politisches Ressort
Up
Nach meinem wütenden Eintrag von vorhin zur die US-Kinolandschaft gibt es jetzt etwas Positives aus derselben Ecke zu berichten.
Ich komme gerade aus dem Kino. Bernie und ich haben uns "UP", den neuen Pixar-Film angesehen und waren beide begeistert. Der Film erzählt die Geschichte des scheinbar letzten Abenteuers von Carl, einem alten Mann, der mit seinem Haus (und versehentlich auch mit dem über-enthusiastischen Pfadfinder Russell) nach Südamerika fliegt. Keine typische aber irgendwie doch gerade eine "Coming of Age"-Story, die in gewohnt wunderschönen Bildern sehr poetisch erzählt wird. Der Film ist lustig, traurig, nachdenklich und schön. Wenn man danach aus dem Kino kommt, erscheint es fast, als würde man mit Carls bunten Luftballons ein Stückchen mit davonschweben.
Ein US-Filmkritiker fasst passend zusammen:
Discussion of this timeless fable became a simple question of not 'did you cry?' but 'when and how often did you cry?' (and if you didn't cry, 'what kind of soulless monster are you?').
Eingestellt von Steffi um 22:48 0 Kommentare
Labels: At the Movies, Mediawatch
Neues von der Culture-Wars-Front
Vielen Erzeugnissen der US-Filmindustrie mangelt es bekanntlich an etlichen Dingen (u.a. an stabilen Autos, treffsicheren Bösewichten und interessanten Frauenfiguren). Die Repräsentation von zwielichtigen Gestalten wie Serienkillern, Waffennarren, Drogenbaronen gehört nicht dazu. Davon laufen in jedem zweiten Hollywood-Streifen jede Menge herum und dürfen nach Herzenslust von Produzenten und Drehbuchschreibern und Kinopublikum morden, foltern und dealen.
Dieselbe Toleranz, die Verbrecher in der US-Kinolandschaft genießen, kommt jedoch einem britischen Forscher, der eines der bedeutendsten Werke der modernen Wissenschaft verfasst hat und dessen Leben nun verfilmt wurde, nicht zu Gute. In den USA findet sich kein Filmverleih für "Creation", den britischen Film über Charles Darwin. Da wird jede auch noch so belanglose Story mitunter mit einem Budget verfilmt, das das BIP kleinerer Länder übersteigt, aber die Lebensgeschichte von Charles Darwin findet nicht mal einen Verleih? Massenmörder ja, Naturwissenschaftler nein? Klar, mit letzterem könnte man ja das (religiöse) Publikum verschrecken. Da könnten ja sowohl Profiteinbußen als auch (bloß nicht!) ideologische Kontroverse drohen.
Diese Logik stinkt nicht nur meilenweit nach Bigotterie, sie unterschätzt auch das Kinopublikum auf traurige Weise.
Eingestellt von Steffi um 19:30 0 Kommentare
Labels: At the Movies, Kuriositätenkabinett, Mediawatch, Politisches Ressort
Zitat des Tages
Ist zwar schon ein paar Tage alt - SPD Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat es letzte Woche bei seiner Wahlkampfveranstaltung auf dem Münchner Marienplatz ausgesprochen - aber trotzdem berichtenswert:
"Wer nicht wählt wird auch regiert."
Recht hat er! Unbedingt am Sonntag wählen gehen!
Auch wenn die wenigsten sich zu 100% mit jeder Silbe identifizieren können, die die Parteien von sich geben, ist das noch kein Grund, sein Wahlrecht verfallen zu lassen. Auch wenn die Parteien in unserem Land mitunter in vielen Punkten verbesserungswürdig sind, so sind sie - bis auf unrühmliche, eklig braune Ausnahmen - doch alle Demokraten. Und auch wenn man mitunter das Gefühl bekommt, sich nicht für die beste Alternative, sondern für das kleinste Übel entscheiden zu müssen - so stellt sich doch die Frage: Was ist die allgemeine, unabhängige, freie, gleiche und geheime Wahl des kleinsten Übels aus einer Reihe demokratischer Parteien gegen die Alternativen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssten, hätten wir nicht das unfassbare Glück in einem demokratischen Land geboren zu sein? Oder um mit einem weiteren Zitat abzuschließen:
“Democracy is the worst form of government, except for all those other forms that have been tried from time to time.” — Winston Churchill (1947)
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Labels: Politisches Ressort
Samstag, 19. September 2009
Auf dass die nächsten zwei Wochen schnell vorbei gehen
Kleines Quiz: Wenn das erste, was man sieht, wenn man in der Früh aus dem Fenster schaut, Leute sind, die sich in den Büschen vor dem Haus umziehen, was ist dann? Richtig, Wiesn.
Na dann Prost.
Eingestellt von Steffi um 09:30 0 Kommentare
Sonntag, 13. September 2009
Das TV-Duell
Das TV-Duell ist vorüber, das Diskutieren darüber hat begonnen. Dabei kommen natürlich nicht mehr die beiden Hauptpersonen zu Wort, sondern alle anderen. Ob das in der epischen Breite, wie es sich gerade abzeichnet immer gut ist, steht in den Sternen.
Ein Grundtenor dabei nervt: Alle heulen rum, dass es kein "Duell" war, sondern eine sachliche Diskussion. Hm, überlegen wir mal. Will ich, dass die beiden Menschen, die als KanzerIn zur Wahl stehen, sich verbal an die Gurgel gehen und sich mit Dreck beschmeißen, oder will ich möglicherweise, dass sie sachlich diskutieren?
Die ARD schießt gerade ein Eigentor mit der Besetzung ihrer Post-Duell-Runde bei Anne Will, in der ein leidend dreinschauender Theater-Regisseur darüber lamentiert, Merkel und Steinmeier wirkten langweilig und geklont und Berlusconi sei doch so viel charismatischer. Da muss mal jemand seine Prioritäten überdenken. Außerdem sitzt da Edmund Stoiber, der beim Gedanken an seine eigenen Erfolge bei TV-Duellen eigentlich weinend rauslaufen müsste.
Ich schau jetzt mal weiter.
Eingestellt von Steffi um 22:14 0 Kommentare
Labels: Mediawatch, Politisches Ressort
Das kann nicht sein!
Ich habe ja mittlerweile Mediziner in meiner Familie. Daher komme ich hin und wieder in Berührung mit bestimmten Publikationen, die Mediziner halt so lesen. So z.B. mit dem Ärzteblatt.
Auf der Rückseite der letzten Ausgabe, die mir diese Woche in die Hände gefallen ist, habe ich dieses Juwel von einer Werbeanzeige gefunden:
In meinem Kopf formte sich folgende Szene: Herr Doktor Vonundzu und seine Gattin Frau Doktor Vonundzu-FreifrauvonDings (beides niedergelassene Ärzte) starren ungläubig auf den eben eingetrudelten Brief der ZVS.
"Eine ZVS-Ablehnung? Da haben wir Friedrich-Alexander/Antonia-Charlotte schon durch das teure Privatgymnasium gekauft, und uns dann auch noch die noch viel teurere Oberstufe mit Ehrenrunden-Jahr auf der "International Private School for Uncurably Dumb Offspring of Rich Parents" in England geleistet, weil das böse deutsche System ihn/sie einfach nicht in die 12. Klasse lassen wollte und jetzt will das böse deutsche System ihn/sie nicht mal Medizin studieren lassen? Das kann nicht sein! Komm Friedich-Alexander senior/Henriette wir schauen jetzt mal in die Studienplatzklage-Broschüre und rufen unser Anwälte-Team an. Wie können die das von der Abiturnote abhängig machen? Das kann doch unmöglich so wichtig sein, was da für eine Zahl steht, oder? Was sagt so eine 3,8 schon aus? Gar nichts. Eine FRECHHEIT ist das. Und da ist die ganze Zeit die Rede von Chancengleichheit und der Begabtenförderung. Nur leeres Geschwätz."
Eingestellt von Steffi um 16:09 1 Kommentare
Labels: Kuriositätenkabinett, Mediawatch
Bergtaucherin
Ein strahlender Tag in den Alpen. Und ein kleiner Wink an die wunderbaren Tauchferien in Dahab, die vielen bunten Fische und meine beiden Tauchbuddies.
Eingestellt von Steffi um 13:28 0 Kommentare
Labels: Reisen, Rückblicke
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Und um das zu verdeutlichen, müssen die Benutzer öffentlich ausgehängter Stadtpläne auch immer nochmal mit dem Finger drauf tapsen, damit auch wirklich klar ist, wo sie sich befinden.
Ob die Stadtplan-Tapser wohl Angst haben, dass sie, wenn sie nicht auf den Stadtplan deuten, plötzlich von ihrem momentanen Aufenthaltsort verschwinden, um woanders wieder aufzutauchen? Heißt das dann auch, dass auf Stadtplänen, die an Orten wie Florenz (oder München) hängen, deutlichere Tapser zu sehen sind, als auf Stadtplänen von, sagen wir, Castrop-Rauxel? Interessante Hypothese. Problem dabei: Man müsste nach Castrop-Rauxel fahren, um die dortigen Stadtplan-Tapser empirisch zu untersuchen. Fast schon schwant mir, dass das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse daran scheitern könnte.
Eingestellt von Steffi um 12:22 0 Kommentare
Labels: Alltägliche Besonderheiten, MünchenMünchenMünchen, Reisen
The Hogwarts Express leaves at eleven o' clock...
...from Florence?
Ein treuer Potter-Fan hat eine Hausnummer in Florenz mit einem eindeutigen Zusatz verschönert und mein Harry-Potter-Geek-Herz höher schlagen lassen.
Eingestellt von Steffi um 12:01 0 Kommentare
Labels: Alltägliche Besonderheiten, Lesen, Reisen

